»Der positive Pazifismus ist die richtige Antwort«
von Mai 2004


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Der positive Pazifismus ist die richtige Antwort

Allein im letzten Jahr fanden weltweit 26 Kriege und insgesamt 200 kriegerische Auseinandersetzungen statt. Gewalt wurde mit Gegengewalt beantwortet, Terrorismus mit Staatsterrorismus, der seinerseits weiteren Terrorismus nach sich zog. Diese Mechanismen gewaltsamer Konfliktaustragung sind weder neu noch überraschend, sondern bedingen einander. Sie sind die Folge militärischen Denkens, das unweigerlich in die Eskalationsspirale führt und bislang Abermillionen von Menschen das Leben gekostet hat.
Geändert hat sich in den letzten Jahrzehnten aber dies: Die Rüstungsindustrie hat ihre Tötungsinstrumente derart perfektioniert, dass die Overkillkapazitäten die vielfache Ausrottung eines jeden Lebenswesens ermöglichen. Und: In modernen Kriegen sind überwiegend Zivilistinnen und Zivilisten die Opfer, die moderne Kriegsführung schützt die Mörder und trifft die Wehrlosen.
Mehr als eine Milliarde Menschen leben in bitterer Armut, täglich sterben 40.000 Kinder auf Grund falsch verteilter Lebensmittel und Medikamente. Die Industrienationen beuten die Rohstoffe in Afrika und dem Nahen Osten aus. Dort geht heute die Saat des religiös und ideologisch verblendeten Terrorismus auf.
Die Industriestaaten reagieren hilflos auf die dramatisch steigende Gewalt international operierender Terroristen. Die Reaktionen reichen von massiver Hochrüstung bis hin zu völkerrechtswidrigen Militärinterventionen und innerstaatlich von der Aushebelung der Menschen- und Bürgerrechte hin zur Schaffung von Überwachungsregimes im Orwell’schen Sinne. All diese Wege offenbaren nur die Hilflosigkeit von Politik und Militär und bieten in letzter Konsequenz die neuerliche Legitimation für weitere barbarische Handlungen.

Wer dem Terrorismus den Boden entziehen will, der muss eine gerechte Weltwirtschaftsordnung verwirklichen. Wer der Gewalt Einhalt gebieten und Frieden schaffen will, der muss gewaltsame Konfliktaustragung präventiv vermeiden und Auseinandersetzungen mit dem breiten Spektrum ziviler Maßnahmen lösen.
Wir stellen uns den neuen Herausforderungen des neuen Jahrhunderts. Den »Verteidigungspolitischen Richtlinien« setzen wir unsere »Friedenspolitischen Richtlinien«, dem Militärdienst die Verweigerung und Desertion, den Kampfeinsätzen der Bundeswehr die Zivilen Friedensdienste, den Waffenexporten die Konzepte der Rüstungskonversion entgegen.
Wir wollen eine Kultur des Friedens ohne Militär und Waffen schaffen. Unsere Antwort auf die Gewalt ist der positive Pazifismus - ein aktiver und mutiger, streitbarer und manchmal provokanter Pazifismus, der die gesellschaftliche Auseinandersetzung sucht; ein solidarischer Pazifismus, der uns zu Gunsten der Opfer militärischen Denkens Handeln lässt; ein kritischer Pazifismus, der andere wie uns selbst hinterfragt und auch ein fröhlicher Pazifismus, der die Alternative einer besseren Welt aufzeigt und lebt.

Ich wünsche dem FORUM PAZIFISMUS, dass es das Medium dieses positiven Pazifismus wird. Lasst uns hier die Visionen, Konzepte und Aktionen der Gewaltfreiheit publizieren und diskutieren. www.forum-pazifismus.de

Jürgen Grässlin, Bundessprecher der DFG-VK
Forum Pazifismus, Erstausgabe, Mai 2004, S. 3